Die Geschichte des Kurhauses

Gebaut im Jahre 1903, von dem Gasthofbesitzer Wilhelm Creutzmann, steht das „Kurhaus Bienitz“ nun schon seit über hundert Jahren.

Wilhelm Creutzmann

Die Geschichte beginnt am 21. März 1902. An diesem Tag legte Wilhelm Creutzmann dem Gemeinderat eine Zeichnung des geplanten Kurhauses vor, welche schließlich einstimmig genehmigt wurde. Dies war jedoch keine Selbstverständlichkeit, da zum damaligen Zeitpunkt die Gaststättenkapazität im Verhältnis zur Einwohnerzahl extrem hoch war und die Konkurrenz entsprechend groß.

Letztlich wurde dies beim Erwerb der Schankgenehmigung deutlich, welche von der Amtshauptmannschaft Leipzig erteilt wurde. Darin wurde festgehalten, welches Sortiment ausgeschenkt werden darf, wann und wo. In dieses Verfahren wurden die Gemeinderäte einbezogen und der für Burghausen zuständige Gendarm musste zu der Sache und der Person schriftlich Stellung nehmen. Auch die umliegenden Gastwirte konnten Einspruch einlegen, was zu jahrelangen Streitigkeiten führte.

O-Ton Creutzmann

In einem Schreiben an den Gemeinderat von Burghausen, vom 15. Juni 1903 begründet W. Creutzmann sein Projekt nochmals ausführlich.

„Wie den geehrten Gemeinderat wohl bekannt sein dürfte, will ich das von mir auf Burghausener Flur errichtete Villengebäude zu einem Kurhaus einrichten lassen. Ich hoffe mit dieser Einrichtung für unsere, der Erholung bedürftigen, Mitmenschen Sowie für die Gemeinde Burghausen selbst, ein gutes Werk zu stiften.
In der Nähe der Großstadt Leipzig gibt ja genug derer, die der Erholung bedürftig sind, vor allem der Beamten und solcher, die in Büros tätig sind. Für diese wird es wohltuend sein, in einer Luft bei billigen Preisen in einer Stätte, wo sie 8 bis 14 Tage von dem großstädtischen Geräusch fern sind, Erholung zu finden, ohne erst große Reisekosten bezahlen zu müssen. Ich werde unsere Einrichtung geschmackvoll ausstatten, den Garten parkähnlich anlegen lassen, so dass das Ganze eine freundliche Einladung erhält. Um nun aber den Erholungsuchenden wunschgemäß bewirten zu können, so bedarf ich der Genehmigung zur Verabreichung nichtgeistiger Getränke.“

Vom Wort zur Tat

Und das tat er auch. Denn er ließ einen prachtvollen, parkähnlichen Garten errichten, sowie eine Villa mit Gästewohnungen. Jedoch Kureinrichtungen im Gebäude oder in der Nähe wurden nicht geschaffen. Vielmehr wird wohl das Einatmen der frischen, sauberen Landluft und das Naherholungsgebiet „Bienitz“ in Verbindung mit Entspannung im „Kurhaus“ gemeint gewesen sein.

1903 erhielt W. Creutzmann vom Gemeinderat eine Schankgenehmigung für alkoholfreie Getränke. Diese wurde jedoch nicht von der Amtshauptmannschaft Leipzig bestätigt. Dem folgte ein fast 10-jähriger Rechtsstreit.

1908 erhielt er eine vorläufige Schankgenehmigung für alkoholfreie Getränke. Ausgeschlossen wurden davon allerdings größere Veranstaltungen, wie öffentliche Tanzvergnügungen.

1911 verpachtete W. Creutzmann das „Kurhaus“ an den Gastwirt Georg Jana, welcher im August 1912 die Schankgenehmigung für ein begrenztes Sortiment von Getränken erhielt (vermutlich ebenfalls alkoholfreie Getränke).

Wilhelm Creutzmann starb 1914. Auf seine Witwe, Lina Creutzmann, wurde 1918 die bisherige Schankgenehmigung übertragen. Auch sie 1912 bemühte sich erfolglos um die Erweiterung der Genehmigung. Nach ihrem Tod übernahm die gemeinsame Tochter Herta als Alleinerbin das Grundstück und die Gastwirtschaft.

Tochter Herta

Am 28. Januar 1943 erhielt Herta Richter (geb. Creutzmann) eine Schankgenehmigung auf ihren Namen.

Bis zum Ende des 2. Weltkrieges war das „Kurhaus“ ein beliebtes Ausflugslokal. 1945 wurde das Grundstück enteignet. Es war ab da nur noch Wohnhaus und die Gaststättenräume standen leer.

Geschichte des Kurhauses - NVA
Geschichte des Kurhauses

Im Besitz der NVA

Von der Gemeinde Burghausen übernahm die NVA 1958 das gegenüber dem Schießstandgelände liegende „Kurhaus“. Aus der leer stehenden Gaststätte wurden Lagerräume. Ein Armeeangehöriger, der als Schießplatzwart eingesetzt war, erhielt mit seiner Familie eine Wohnung im „Kurhaus“.

Gerettet vor dem Verfall

Nach 1994 wurde das Gebäude von der 1994 zusammengeschlossenen Gemeinde Bienitz saniert und umgebaut. Es sollte mit dem gegenüberliegenden ehemaligen Militärgelände ein Gemeindezentrum mit Gastronomie und Sportanlagen werden. Durch die Auflösung der Gemeinde und die Eingliederung von Burghausen an die Stadt Leipzig im Jahr 2000 konnte dieser Plan jedoch nicht verwirklicht werden.

Die Suche nach einem neuen Nutzer des Geländes und Verkaufsbemühungen blieben viele Jahre erfolglos. Erst im Juli 2007 konnte ein Kaufvertrag abgeschlossen werden.

Eigentümer sind jetzt das Burghausener Ehepaar Reni und Andreas Zeise. Sie haben das „Kurhaus Bienitz“, wie es sich nun wieder nennt, seiner eigentlichen Bestimmung zurückgeführt.

In den beiden oberen Etagen des nunmehr überein Jahrhundert alten Gebäudes befinden sich Ferienwohnungen, in denen Gäste aus aller Welt Ruhe und Erholung suchen, um unser schönes Leipzig zu besuchen. Im unteren Bereich befindet sich eine geschmackvoll eingerichtete Gaststätte mit gutbürgerlicher Küche. Im Garten wurden ein gemütlicher Freisitz und ein großer Biergarten errichtet.